Museumsnacht im Schloss Köthen
Einblicke in Historisches und Kulturelles nach Sonnenuntergang
In vielen Städten schon seit längerem Tradition, heißt’s nun am 20. September 2008 auch endlich in Köthen: “Nachts im Museum”. Der Zuspruch zeigte, dass viele Köthener und Gäste der Stadt großes Interesse an der Geschichte und an den kulturellen Besonderheiten Köthens haben. Fast schon überraschend war der große Zuspruch bei den Kindern. Etwa 50, mit Taschenlampen bewaffnete 6 bis 10-jährige, versammelten sich ab 20:00 Uhr auf dem Schlosshof und fieberten dem Kommenden entgegen. Den Kleinen wurde einiges geboten. Nachtwanderung durch den Park, ein fürstliches Gelage mit Kindersekt, Lagerfeuer, Musik und ein Schloss-Quiz. Und ganz nebenbei gab es für die Jüngsten auch etwas abendlichen Geschichts- und Heimatkunde-Unterricht, da viel wissenswertes zum Schloss und dem Wirken Bachs und Bandhauers erzählt wurde.
Für die Großen verlief der Abend nicht minder spannend. Alle Museen und Ausstellungen im Schlossgelände luden zur abendlichen Erkundung ein. Den musikalischen Auftakt machte hierbei die Bläsergruppe der Musikschule im Steinernen Gang des Ludwigbaus und boten den Besuchern im Schlosshof beim Schein der Ölfackeln ein herzliches Willkommen dar. Den überwiegenden Teil der Gäste zog es zu Beginn der Museumsnacht in den Spiegelsaal. In dem bis fast auf den letzten Platz gefüllten Saal konnte dem Kammerchor Lüneburg sowie der Köthener Musikschule Johann Sebastian Bach bei ihrer Abendmusik gelauscht werden. Wer es vorzog, die Musik nur im Hintergrund zu hören und nebenbei die Ausstellungen zu besuchen, der konnte, so wie ich, fast allein durch die Räume der Bachgedenkstätte, des Historischen Museums und des erstmals öffentlich zugänglichen Balgraums schlendern. Letzterer erstaunte die Besucher mit seiner, teilweise im Original aus dem Jahr 1608 erhaltenen, filigranen Deckenmalerei.
Thematisch vielfältig präsentierte sich Angebot: Der Heimatverein Weißandt-Gölzau zeigte Filme über die Industriegeschichte ihres Ortes im Marstall. Die Wanderausstellung „Schöne Grüße aus Anhalt-Bitterfeld“ zeigte technische Leihgaben des Film- und Industriemuseums Wolfen und brachte mit Fotos und Postkarten den Besuchern ihren neuen Landkreis näher. Führungen in der Prähistorischen Ausstellung nahmen die Besucher einige Jahrtausende mit zurück in die Region des Köthener Landes. Die Käfer-Ausstellung zeigte allen Interessierten, was sonst oft im Verborgenen bleibt und im Naumann-Museum konnte die Arbeit des Vogelkundlers bestaunt werden.
Die Wirkung eines solchen nächtlichen Rundgangs durch die alten Gemäuer der einstigen Fürstenresidenz ist natürlich um ein vielfaches spannender und intensiver, als bei Tageslicht und machte sicherlich für die meisten Besucher die 1. Köthener Museumsnacht zu einem unvergesslichen Erlebnis. Ein abschließendes Feuerwerk kurz vor Mitternacht tauchte den Schlosshof in einen Funkenregen und entließ die Besucher in den sonntäglichen Alltag…
Die 2. Museumsnacht in Köthen
Am 26. September 2009 fand die nächtliche Veranstaltung ihre Wiederholung und lockte mindestens ebenso viele Besucher wie im vergangenen Jahr ins Schloss. In diesem Jahr wurde ein größeres Augenmerk auf Details gelegt. So wurden die Fassaden des Schlosskomplexes in unterschiedlichen Farben angestrahlt und tauchten das Schloss in ein romantisches Licht. Mittelalterliche Klänge, Fabelwesen auf Stelzen, Feuerschlucker von Rondo la Kulturo sowie Darsteller und Bläser in barocken Gewändern sorgten für zusätzliche Unterhaltung und komplettierten das gebotene Programm aus Museumsbesuchen, Ausstellungen und Vorträgen. Führungen durch die Museumsbibliothek zeigten Schätze, die sonst eher hinter verschlossen Türen verborgen bleiben, künftig aber im weiter zu renovierenden Balgraum ihre Leserschaft finden werden.
Die Taschenlampen-Nacht für die Kinder führte diese bis in die Gewölbe des Schlosses und sorgte bei vielen für Gänsehautstimmung. Es gab einiges zu erforschen und zu entdecken und natürlich war auch wieder handwerkliches Geschick gefordert.
Ein gelungener Abend, der im Marstall mit dem “Schof im Schloss” bis tief in die Nacht ging. Was bleibt ist die Vorfreude auf das kommende Jahr. Mal sehen, was man sich bis dahin wieder einfallen lassen wird und welche Schätze dann aus dem Verborgen vom Licht des Köthener Sternenhimmels bzw. der Blitze der Digitalkameras erblickt werden?
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